Sie wollen Gold oder Silber kaufen – und stellen fest, dass der Preis höher ist als gedacht? Das liegt am sogenannten Spread. Was dahinter steckt und warum er völlig normal ist, erfahren Sie in diesem FAKTENCHECK von philoro TV.
Was ist der Spotpreis?
Wenn Sie den Gold- oder Silberpreis online checken, sehen Sie den sogenannten Spotpreis. Das ist der aktuelle Marktpreis für das rohe Edelmetall – gehandelt zwischen Banken, institutionellen Investoren und Großhändlern an internationalen Börsen wie London oder New York.
Wichtig: Der Spotpreis ist kein Endkundenpreis. Er bezieht sich nicht auf fertige Produkte wie Münzen oder Barren.
Warum kostet Gold beim Händler mehr?
Zwischen Rohstoff und fertigem Produkt passiert einiges.
Ein einfacher Vergleich:
Der Spotpreis ist wie der Preis für Weizen an der Börse – Ihr Goldbarren ist das fertige Brot beim Bäcker.
Dazwischen entstehen Kosten für:
Raffination & Verarbeitung (Schmelzen, Reinheitsprüfung)
Prägung & Verpackung (inkl. Zertifikate, Blister, Kapseln)
Transport & Versicherung
Lagerung & Sicherheit
Kapitalbindung beim Händler
All diese Faktoren fließen in den Preis ein – das nennt man Spread oder Aufgeld.
Was ist der Spread?
Der Spread ist die Differenz zwischen:
dem Spotpreis (Rohstoffpreis)
und dem Verkaufspreis beim Händler
Er deckt alle Kosten entlang der Wertschöpfungskette ab. Und: Er ist kein „Aufschlag aus dem Nichts“, sondern ein notwendiger Bestandteil des Marktes.
Warum ist der Spread unterschiedlich hoch?
Der Spread ist nicht fix – er verändert sich je nach Situation.
Einflussfaktoren:
1. Produktwahl
Bekannte Münzen wie Wiener Philharmoniker oder Krügerrand – geringerer Spread
Unbekannte Produkte – höherer Spread (mehr Risiko für Händler)
2. Marktphase
Hohe Nachfrage oder Krisen – Spread steigt
Ruhige Marktphasen – Spread sinkt
3. Stückelung
Kleine Einheiten (z.B. 1g) – höherer Spread
Große Barren – günstiger im Verhältnis
Warum ist Silber oft teurer als gedacht?
Viele sind überrascht: Silber hat oft einen deutlich höheren Spread als Gold.
Das hat mehrere Gründe:
Mehrwertsteuer: Silber ist steuerpflichtig (im Gegensatz zu Anlagegold)
Höhere Volatilität: Silberpreise schwanken stärker
Geringerer Wert pro Einheit: Logistik- und Verarbeitungskosten fallen stärker ins Gewicht
Ergebnis: Der Preisaufschlag bei Silber ist meist höher als bei Gold.
Warum liegt der Ankaufspreis unter dem Spotpreis?
Auch beim Verkauf gibt es eine Differenz.
Wenn Sie Edelmetalle verkaufen, erhalten Sie in der Regel weniger als den Spotpreis. Warum?
Der Händler muss:
die Ware prüfen
reinigen und ggf. einschmelzen
lagern und weiterverkaufen
Risiken absichern
Diese Kosten spiegeln sich im Ankaufspreis wider.
Was bedeutet das für Anleger?
Der wichtigste Punkt:
Der Spotpreis ist eine Orientierung – kein Kaufpreis.
Was Sie tatsächlich zahlen, ist: Spotpreis + Spread
Das bedeutet aber nicht, dass Sie „draufzahlen“. Es bedeutet, dass Sie ein fertiges, geprüftes und handelbares Produkt kaufen.