Interview mit Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek

Interview mit Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek 20.02.2017

Ronald-Peter Stöferle und Mark Justin Valek im philoro Experteninterview. Ein Rückblick auf 2016 und eine Prognose für 2017. Das spannende Interview lesen Sie hier.

Zu den Personen:

Ronald-Peter Stöferle (Managing Partner & Fondsmanager der Incrementum AG)

Zuvor war er sieben Jahre lang im Research-Team der Erste Group in Wien. Bereits 2006 begann er seine jährlich erscheinenden „In GOLD we TRUST“ Studien zu veröffentlichen, die im Laufe der Jahre internationales Renommee erlangten. Zudem ist er Advisor der Erste Group im Rahmen des Goldreports. 

Mark Justin Valek (Partner & Fondsmanager der Incrementum AG)

Davor war er über zehn Jahre lang bei Raiffeisen Capital Management tätig, zuletzt als Fondsmanager in der Abteilung Multi Asset Strategien. Im Rahmen dieser Position war er für Inflationssicherungsstrategien und Alternative Investments verantwortlich und verwaltete Portfolios mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro. 

Beide verwalten gemeinsam den ersten Investmentfonds, der auf den Prinzipien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie beruht. Sie sind auch Lektoren am Institut für Wertewirtschaft in Wien sowie Vortragende an der Wiener Börse Akademie. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsphilosophen Rahim Taghizadegan haben sie das Buch „Österreichische Schule für Anleger – Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation“ veröffentlicht. 

Zitat von Roland-Peter Stöferlephiloro: Die US-Amerikaner haben gewählt: Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten. Entgegen aller Erwartungen ging der Goldpreis aber nicht nach oben, sondern nach unten. Was waren die Haupteinflussfaktoren für den Goldpreis in 2016?

Stöferle: Ein wesentlicher Faktor im Vorjahr war, dass die Erwartungen an die Federal Reserve zu Beginn des Jahres 2016 enorm hoch waren. Im Dezember 2015 hatten wir die erste Zinserhöhung seit knapp zehn Jahren. Die Fed versprach für das Jahr 2016, dass es vier Zinserhöhungen geben würde. Diese Erwartungen wurden dann schnell relativiert. Die Fed musste eine Kehrtwende vollziehen, nachdem es im Januar massive Verwerfungen an den Aktienmärkten gab.

philoro: Das war dann sozusagen der Startschuss?

Stöferle: Ja. Das war ausschlaggebend dafür, dass der Goldpreis aus dieser mehrjährigen Korrekturphase ausbrach. Wir haben zu dieser Zeit schon extremen Pessimismus gesehen und auch an den Terminmärkten gab es eine außergewöhnliche Positionierung. Das hat sich im Jänner schlagartig aufgelöst was zur Folge hatte, dass die Korrelation zwischen Aktienmärkten und Gold wieder negativ wurde. Die Aktien sind im Jänner und im Februar eingebrochen und Gold ist stark angestiegen. Das war – wie Sie gesagt haben - der Startschuss für die Rally. Es sind dann bei den ETF’s, d.h. seitens der institutionellen Investoren, sukzessive die Inflows wiedergekommen.

philoro: Wie bewerten Sie das 2. Halbjahr 2016?

Stöferle: Da kam der Brexit. Das vierte Quartal war dann doch sehr schwach, sowohl bei den Minenaktien als auch bei Gold selber. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass das Jahr 2016 doch alles andere als schlecht war: ein Plus von 8,5 Prozent auf Dollarbasis und 12 Prozent auf Eurobasis. Summa summarum war es ein positives Jahr. Und auch das Jahr 2017 beginnt wieder gut: Wir sind jetzt auf Dollar-Basis 4 Prozent im Plus, auf Euro-Basis sind es 4,5 Prozent – und das in 12 Tagen, da kann man doch recht zuversichtlich in die Zukunft blicken.

philoro: Inzwischen hat sich der Goldpreis wieder erholt. Wird es wieder weiter nach oben gehen? Wie lautet Ihre Prognose für Gold in 2017?

Valek: Wir haben kein explizites Ziel für 2017. Mittlerweile ist es 1,5 Jahren her, als wir eine doch sehr bullishe Prognose ausgegeben haben. Damals wollten wir darauf hinweisen, dass die zu dieser Zeit allgemein verbreitete Desillusion hinsichtlich des Goldpreises wahrscheinlich verfehlt ist. Daran halten wir generell fest. Interessant ist jetzt, dass sich aufgrund der Trump-Wahl einige Dinge geändert haben.

philoro: Was könnte Ihrer Meinung nach 2017 den Goldkurs signifikant beeinflussen?

Valek: Die Situation für Gold ist in zweierlei Hinsicht in 2017 interessant: a) Werden die von Trump angekündigten – und bereits von den Märkten antizipierten - „deficit spending“ Stimulus Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden? Und b) wird die US-Zentralbank den erhöhten staatlichen Finanzierungsbedarf auch tatsächlich in Form von niedrigen Zinsen ermöglichen? Die Inflation, vor der wir schon lange warnen, könnte nun also spruchreif werden und zwar möglicherweise auch in einem stärkeren Wirtschaftsumfeld, als wir es erwartet haben. Falls die FED die Zinsen zu stark anhebt, könnte der Druck der steigenden Zinsen den einhellig erwarteten Trump-Aufschwung abwürgen, bevor er überhaupt beginnt. Aus der Schwäche heraus könnte eine Angst-Bewegung in Gold hineingehen. Die USA befindet sich bereits in der drittlängsten Expansionsphase seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine Rezession wird früher oder später kommen und dann wird auch in den USA wieder Geld gedruckt. Sowohl Inflation, als auch eine unerwartete Rezession könnten sehr positiv für Gold sein.

philoro: 2017 stehen auch viele wichtige politische Entscheidungen an. Wird das den Markt abermals durcheinander wirbeln? Könnten sich z.B. auch die nahenden Wahlen in Europa (Frankreich, Deutschland, Niederlande) auf die Marktsituation von Rohstoffen auswirken bzw. wie stabil ist Gold?

Stöferle: Im letzten Jahr konnte man beim Italien-Referendum oder auch bei Trump gut sehen, dass politische Börsen kurze Beine haben. Der Markt hat das teilweise sehr effizient diskontiert. Die Auswirkungen auf die Edelmetallmärkte werden da ein bisschen zu stark betont.

philoro: Wie sieht es außerhalb Europas aus – zum Beispiel auf dem asiatischen Markt?

Stöferle: Gute Frage. Denn für die Rohstoffmärkte ist wesentlich wichtiger, was gerade in China passiert. Der Renminbi ist im Vergleich zum Dollar auf einem 8-Jahrestiefstand. Es werden sukzessive Kapitalverkehrskontrollen von China implementiert. Die Chinesen haben in den letzten Jahren massive fiskalische Stimuli gesetzt, damit die staatsnahen Banken Kredite vergeben. Deshalb ist dort derzeit ein auf tönernen Füßen erbauter künstlicher Boom zu sehen. Der wird früher oder später auch in einem Bust enden, so wie das eben immer der Fall ist. Diese Bereinigung in China hätte schon längst stattfinden müssen, wurde aber seitens der Fiskalpolitik vorerst verschoben. Früher oder später wird es da aber zu Verwerfungen kommen.

Valek: Ergänzend noch 1-2 Sätze zu eurer Frage: Wie stabil ist Gold? Relativ zu was? Relativ zum Euro, denken vermutlich die meisten europäischen Investoren. Klar kann eine Überraschung aufseiten des Euro den Goldpreis jederzeit massiv beeinflussen. Die Inflationstendenz bzw. Realverzinsung ist für uns aber mittelfristig der entscheidende Faktor. Fundamentale Triebfeder für den Goldkauf ist die Angst vor der Geldentwertung oder Währungsreform. „Gold ist eine gute Versicherung, wenn es zu Änderungen im Währungsgefüge kommen sollte.”

philoro: 2017 hat kaum gestartet und die Nachfrage nach Gold befindet sich (in Deutschland) auf einem Rekordhoch. Wie erklären Sie sich das? Wo sehen Sie den derzeitigen Rohstoffanteil im Vermögensportfolio?

Roland Peter Söferle und Mark Justin ValekValek: Dummerweise lässt sich das nie pauschal sagen. Jeder Anleger hat ja ganz andere persönliche Voraussetzungen, Liquiditätsanforderungen usw. Das im Hinterkopf behaltend, würde uns ein Rohstoffanteil von 30 Prozent schon recht hoch erscheinen. Wir verwalten selbst einen balancierten Fond, den Incrementum Permanent Fund, der mit einer 25 Prozent Allokation in inflationssensitiven Anlagen gut für den Inflationsfall vorgesorgt hat. Daneben sind 25 Prozent internationale Aktien, 25 Prozent Anleihen im Portfolio. Diese drei Anlageklassen werden von den letzten 25 Prozent – der Trendfolgestrategie – aber „beschützt“ und gegebenenfalls abgesichert. Mit dieser Allokation können wir sehr gut leben. Wie gesagt, das ist für jeden Anleger individuell zu beantworten.

philoro: Immer häufiger hört man „Silber ist das neue Gold“. Wie entwickelt sich Silber im Vergleich zu Gold?

Stöferle: Die Entwicklung vom Silberpreis ist zu einem starken Teil auch eine Funktion der Goldpreisentwicklung. Eine wirkliche Abkopplung vom Silber gibt es nicht. In dem Umfeld eines schwachen Goldpreises einen steigenden Silberpreis zu sehen – das wäre sehr ungewöhnlich. Beide korrelieren normalerweise sehr stark positiv. In einem Goldbullenmarkt gibt es eine Outperformance von Silber. Das Gold-Silber-Ratio sollte eigentlich fallen, speziell wenn Inflation zum Thema wird. D.h. wenn wir steigende Inflationsraten sehen, dann reagiert Silber deutlich stärker als Gold. Es kommt natürlich hinzu, dass Silber auch eine industrielle Funktion bzw. Bedeutung hat. Die würde ich aber nicht überbewerten. Seitens der Industrie sind die meisten Größen dort nicht preissensitiv.

philoro: Was hat denn Ihrer Meinung nach den stärksten Einfluss auf den Silbermarkt?

Stöferle: Was wirklich das Zünglein an der Waage ist, ist die Nachfrage seitens der (Groß-) Investoren. Der Silbermarkt ist in Bezug auf Investoren sehr klein. Die Silberprimärproduktion belief sich im letzten Jahr auf 15 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung bzw. der gesamte Silberbestand liegt bei 465 Milliarden Dollar. Das ist nicht viel. Daran erkennt man, sollte da wirklich mal signifikant Geld seitens der Investoren hereinfließen, dann wird sich dieser Markt eben sehr schnell bewegen. Wir glauben, dass im Zuge des Goldbullenmarktes Silber deutlich outperformen wird. Hier ein Warnhinweis: Silber ist deutlich volatiler als Gold. Da muss man die Nerven dazu haben, diese Volatilität durchzustehen.

philoro: Wenn Sie 2017 vor sich sehen, was raten Sie Erstanlegern oder Menschen, die an einer Anlage in Gold interessiert sind bzw. warum ist jetzt die Zeit für Silber und Gold?

Valek: Bevor sich Erstanleger zu einem Edelmetallinvestment entscheiden, sollten sie die vermeintlich einfache Frage: „Was ist eigentlich Geld?“ beantworten können. Wenn man das derzeitige Geldsystem ansatzweise versteht und rudimentäre Kenntnisse der Währungsgeschichte hat wird man vermutlich zum Schluss kommen, Edelmetalle können auch heute eine sehr sinnvolle Form der Anlage sein. Wenn man begreift, dass Gold in der Geldgeschichte immer wieder durch Papiergeld abgelöst wurde, was daraufhin inflationiert wurde - also meistens einfach gedruckt wurde - und sich letzten Endes entwertet hat, dann ist der Zugang auch ein ganz anderer. Dann sieht man das Ganze auch durch eine historische Brille. Das bedeutet man nimmt auch die Investition nicht als spekulative, sondern eher als mittel- bis langfristige Anlage wahr. In der Vergangenheit war Gold stets eine sehr gute Versicherung gegen Währungskapriolen.

philoro: In diesem Jahr (Juni 2017) erscheint Ihr neues Buch „Die Nullzinsfalle“. Was erwartet die Leser und Leserinnen?

Stöferle: Unser Untertitel lautet: „Nachhaltiger Vermögensaufbau in einem nicht nachhaltigen Geldsystem.“ Viele unserer Thesen argumentieren wir aus einem tiefgehenden Verständnis des Geldsystems heraus. Wir sind der Meinung, dass dort die Wurzel vielen Übels liegt. Unser Geldsystem ist nicht nachhaltig. Insofern sollte man sich als Investor/Sparer sehr genau ansehen, in welchem Geldsystem wir leben und was das für Konsequenzen hat. Diese Konsequenzen beschreiben wir in dem Buch. Es ist klar, dass die Geldpolitik nach den Krisen seit 2008 quasi All-In gegangen ist, um sich noch einmal in die nächste Runde zu retten. Die Lage hat sich oberflächlich seither einigermaßen stabilisiert, auch wenn viele Menschen intuitiv der Ruhe nicht ganz trauen. Edelmetalle sind eine Antwort auf die Unsicherheit, es gibt aber jedoch noch eine Menge anderer Anlagethemen.

philoro: Welchen Einfluss hatte das auf die Schuldenkrise?

Stöferle: Die Schuldenstände sind seit 2008 exorbitant angestiegen, nicht nur die Schuldenstände der Industrienationen, sondern auch die der Schwellenländer, nicht nur die der Staaten, sondern auch die der Unternehmen und der Privaten. Je höher die Schuldenstände, desto sensitiver ist das Wirtschaftssystem hinsichtlich Zinserhöhungen. Deshalb ist es unserer Meinung nach, aufgrund der erreichten Schuldendimensionen, schlichtweg unmöglich ohne Verwerfungen auszulösen und die Zinsen nachhaltig zu erhöhen. All das hat massive Konsequenzen für die Veranlagung. Dieses Dilemma beschreiben wir in dem Buch und wir schreiben auch, wie man sich konkret darauf vorbereiten, sich absichern, aber auch davon profitieren kann.

philoro: Abschließend ein Statement für 2017?

Valek: Abseits der wirtschaftlichen Entwicklungen ist es für mich höchstspannend zu beobachten, wie sich die Wahrnehmung hinsichtlich der Medien ändert. Da bin ich sehr gespannt wie der Trend alternative vs. etablierte Medien weitergeht und wie sich dieses Rennen weiterentwickelt.

Stöferle: Have faith, but buy Gold.

Durch das Interview führte Stephanie Brendler, Marketing, philoro EDELMETALLE GmbH

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