Der August war für Gold der beste Monat seit dem Hoch Ende Jänner. Trotz eines Rücksetzers in der letzten Augustwoche bleibt unter dem Strich ein deutliches Plus: Vom 1. August bis zum Dreh am 1. September legte Gold um rund acht Prozent zu. Zwischenzeitlich lag das Monatsplus sogar bei 15 Prozent, als der Preis bis auf 4.680 US-Dollar stieg. Die Marke von 4.700 US-Dollar erwies sich jedoch als zu starke Hürde.
Im neuen Monatsupdate von philoro TV geht es um die Erholung bei Gold und Silber, die Rolle der Straße von Hormus, die US-Schulden, neue Zinssorgen nach Jackson Hole, die aktuelle Lage der Weltwirtschaft und die Inflationsdaten für Juli.
Gold erlebt den stärksten Monat seit Januar
Nach den schwierigen Monaten seit dem Ende der Rallye im Jänner brachte der August spürbare Entspannung am Goldmarkt. Anfang des Monats sorgten Signale auf eine mögliche Entspannung im Iran und an der Straße von Hormus für Erleichterung. Der Ölpreis fiel, die Sorgen vor einem neuen Inflationsschub nahmen ab und damit auch die Angst vor weiter steigenden Zinsen.
Gold und Silber setzten zur Erholung an. Aus einem vorsichtigen Boden wurde Schritt für Schritt eine stärkere Aufwärtsbewegung. Viele Marktteilnehmer sprachen bereits von einer möglichen Trendwende. Gleichzeitig setzte FOMO ein – also die „Fear of missing out“, die Angst, etwas zu verpassen. Das trieb die Preise weiter nach oben.
US-Schulden und Anleihen geben Gold Rückenwind
Ein weiterer Impuls kam aus den USA. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, mehr US-Staatsanleihen zurückzukaufen. Ziel war es, die Renditen zu drücken. Rückblickend wirkte diese Maßnahme jedoch wie ein Signal, dass die USA selbst zunehmend nervös werden.
Der Markt interpretierte den Schritt weniger als Stärke, sondern eher als Zeichen wachsender Unsicherheit. Die Edelmetalle stiegen weiter. Gleichzeitig überschritten die US-Schulden die Marke von 40 Billionen US-Dollar – ebenfalls kein Signal, das das Vertrauen in den Dollar stärkt.
Gold profitierte von dieser Gemengelage: schwächerer Dollar, Zweifel an US-Staatsanleihen und wachsende Unsicherheit über die langfristige Finanzlage der USA.
Gewinnmitnahmen bremsen den Anstieg
Nachdem Gold in Richtung 4.700 US-Dollar gelaufen war, setzten erste Gewinnmitnahmen ein. Nach einem starken Anstieg ist das nicht ungewöhnlich. Viele Anlegerinnen und Anleger nutzten das hohe Niveau, um kurzfristige Gewinne mitzunehmen.
Gleichzeitig rückte das Fed-Meeting in Jackson Hole näher. Dort warteten die Märkte gespannt auf die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh. Seine Rede brachte schließlich neuen Gegenwind für Gold und Silber.
Was macht die Fed?
Kevin Warsh machte in Jackson Hole deutlich, dass die Bekämpfung der Inflation weiter im Mittelpunkt steht. Das Ziel der US-Notenbank Fed bleibt eine Inflation von zwei Prozent. Zwar sagte Warsh nicht ausdrücklich, dass die Zinsen wieder steigen müssen – der Markt hörte aber genau das heraus.
Im Fed Watch Tool sind inzwischen rund zwei Drittel der Marktteilnehmer davon überzeugt, dass die Fed die Zinsen in zwei Wochen wieder anheben wird. Es wäre die erste Zinserhöhung seit Dezember 2025.
Diese Erwartung drückte Gold und Silber zum Monatsende. Denn höhere Zinsen belasten Edelmetalle kurzfristig, weil Gold und Silber keine laufenden Erträge abwerfen. Trotzdem bleibt der August insgesamt ein starker Monat.
September wird richtungsweisend
Besonders spannend werden nun zwei Termine: Am 10. September verkündet die Europäische Zentralbank ihren nächsten Zinsschritt, am 16. September folgt die nächste Entscheidung der US-Notenbank Fed.
Für Gold und Silber könnte das Gegenwind bedeuten. Gleichzeitig darf man den langfristigen Blick nicht verlieren: Im Vergleich zum Vorjahr liegt Gold immer noch rund 35 Prozent höher. Am 1. September 2025 kostete eine Unze Gold 3.448 US-Dollar.
Silber machte das Auf und Ab im August ebenfalls mit. Vom 1. bis 31. August legte Silber um rund 15 Prozent zu. Auch hier ist der Jahresvergleich bemerkenswert: Vor einem Jahr lag die Unze noch bei knapp unter 40 US-Dollar.
Die Community lag teilweise richtig
Auch die philoro TV Community wurde wieder gefragt, was sie vom Goldpreis erwartet. Ende Juli glaubten 26 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer, dass im August wenig passieren würde. Diese Einschätzung hat sich nicht bestätigt: Von Sommerruhe war keine Spur.
32 Prozent erwarteten hingegen höhere Preise – und behielten damit recht. Gold lieferte im August ein deutliches Plus, auch wenn der Monat zwischenzeitlich noch stärker ausgesehen hatte.
Weltwirtschaft: Wenig Bewegung, viele Risiken
Beim Blick auf die Weltwirtschaft zeigt sich im August wenig Veränderung. Weiterhin bleiben die Straße von Hormus, der Krieg in der Ukraine und geopolitische Spannungen zentrale Unsicherheitsfaktoren. Entsprechend verhalten fällt das Wachstum aus.
Die Daten der EU zeigen für das zweite Quartal ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent für die gesamte EU und 0,4 Prozent für den Euroraum.
Deutschland liegt ungefähr im Trend. Laut Statistischem Bundesamt legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 0,2 Prozent zu. Im Jahresvergleich lag das zweite Quartal 2026 um 0,9 Prozent über dem zweiten Quartal 2025. Das Wachstum wird vor allem von den Exporten getragen, während private und staatliche Konsumausgaben schwach bleiben.
Positiv ist: Die Stimmung hellt sich langsam auf. Die aktuelle Lage wird zwar weiterhin als schwach eingeschätzt, die Erwartungen für die Zukunft verbessern sich aber.
Österreich stagniert, Schweiz bleibt stabil
In Österreich wurde die vorsichtige Erholung im zweiten Quartal vom Ölpreis gebremst. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut stagnierte das Wachstum von Q1 auf Q2 de facto. Die Erholung, die seit Jahresbeginn zu beobachten war, ist damit vorerst gestoppt.
In der Schweiz setzt sich der Wachstumskurs hingegen fort. Die Nachfrage aus dem Inland bleibt stark genug, um die Konjunktur zu stützen. Auch das Konjunkturbarometer der ETH Zürich zeigt ein positives Bild.
China wächst weiter, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Im zweiten Quartal lag das Wachstum bei 4,3 Prozent. Die Kommunistische Partei hatte jedoch 4,5 bis fünf Prozent erwartet. Deshalb wurden bereits staatliche Hilfen angekündigt, um die Binnennachfrage zu stärken. Die Exporte laufen dagegen stark: Von Juni auf Juli legten sie um fast 24 Prozent zu, unter anderem durch den weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur.
Inflation im Juli: Gewinner und Verlierer
Die Inflationsdaten für Juli zeigen ein gemischtes Bild. In der gesamten EU stieg die Teuerungsrate auf drei Prozent, nach 2,9 Prozent im Juni. Auch in der Eurozone ging es nach oben: von 2,8 Prozent im Juni auf 2,9 Prozent im Juli.
Deutschland verzeichnete einen deutlichen Sprung. Die Inflation lag im Juli bei 2,8 Prozent, nach 2,3 Prozent im Juni. Das Auslaufen des Tankrabatts machte sich hier bemerkbar.
Österreich lag ausnahmsweise auf der Gewinnerseite. Die Inflationsrate sank von 3,2 Prozent im Juni auf 2,8 Prozent im Juli. Vor allem die Preise für Nahrungsmittel gaben nach.
Auch in der Schweiz ging die Inflation leicht zurück: von 0,5 Prozent im Juni auf 0,4 Prozent im Juli. Als Grund wird unter anderem der saisonale Ausverkauf bei Bekleidung genannt.
Inflation bleibt das Thema der kommenden Wochen
Die Inflation bleibt auch im September das zentrale Thema – vor allem über den Umweg der Leitzinsen. Der Internationale Währungsfonds weist darauf hin, dass die Notenbanken vor einer schwierigen Balance stehen.
Auf der einen Seite belasten hohe Energiepreise die Wirtschaft und treiben die Inflation. Auf der anderen Seite sorgt der KI-Sektor für Investitionen und Wachstumsimpulse. Für die Notenbanken ist das ein schmaler Grat: Sie müssen Inflation bekämpfen, ohne den Aufschwung abzuwürgen.
Genau deshalb werden die kommenden Zinsentscheidungen von EZB und Fed besonders wichtig für Gold, Silber und die Finanzmärkte insgesamt.
Fazit: Starker August, unsicherer September
Gold ist im August zurückgekommen – zumindest teilweise. Das Monatsplus von rund acht Prozent ist nach den schwierigen Monaten seit Jänner ein starkes Signal. Zwischenzeitlich sah es sogar nach einer noch deutlicheren Erholung aus, bevor Gewinnmitnahmen und neue Zinssorgen den Anstieg bremsten.
Silber zeigte ebenfalls Stärke und legte im August um rund 15 Prozent zu. Beide Edelmetalle profitierten zunächst von sinkenden Ölpreisen, weniger Inflationssorgen, schwächerem Dollar und Unsicherheit rund um US-Schulden und US-Staatsanleihen.
Doch die Zinsfrage bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Jackson Hole hat gezeigt, dass die Fed weiter auf Inflationsbekämpfung fokussiert ist. Im September könnten die Entscheidungen von EZB und Fed daher richtungsweisend werden.