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Monatsupdate Juni 2026

Gold und Silber unter Druck – was hinter dem Preisrückgang steckt.

1. Juli 2026

Der Juni 2026 war für Edelmetalle ein schwieriger Monat. Gold verlor bis zum Drehtermin am 30. Juni rund elf Prozent, Silber sogar 22 Prozent. Beide Metalle standen deutlich unter Druck – und besonders beim Gold wurde die psychologisch wichtige Marke von 4'000 US-Dollar zeitweise unterschritten.

Im neuen Monatsupdate von philoro TV geht es um die wichtigsten Entwicklungen des Monats: den Rückgang bei Gold und Silber, die überraschend harte Linie der US-Notenbank Fed, die weiterhin starke Rolle der Zentralbanken, die Lage im Iran, sinkende Ölpreise und wieder steigende Inflationsraten.

Gold verliert im Juni deutlich

Die Goldpreisentwicklung im Juni macht wenig Freude. Vom Monatsniveau bei rund 4'540 US-Dollar fiel Gold bis zum Drehtermin auf 4'023 US-Dollar. In den letzten Junitagen wurde die Marke von 4'000 US-Dollar sogar kurzfristig unterschritten.

Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit dem Hoch Ende Jänner sichtbar ist. Lange konnte man die Entwicklung noch als Konsolidierung bezeichnen, inzwischen zeigt der Chart jedoch klar nach unten. Die zentrale Frage lautet daher: Wie weit kann diese Bewegung noch gehen?

Viele Chartanalysen sehen derzeit Vorteile bei den Bären. Gleichzeitig zeigt die philoro TV Community eine bemerkenswerte Gelassenheit: 63 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer geben an, trotz der Kursverluste entspannt zu bleiben.

Zentralbanken bleiben ein starkes Argument für Gold

Während der kurzfristige Trend belastet ist, sprechen wichtige langfristige Faktoren weiterhin für Gold. Besonders aufschlussreich ist die aktuelle Umfrage des World Gold Council unter Zentralbanken.

76 Zentralbanken haben sich an der jährlichen Befragung beteiligt. Fast die Hälfte davon plant, die eigenen Goldreserven im kommenden Jahr weiter auszubauen. Fast 90 Prozent erwarten ausserdem, dass Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände insgesamt weiter erhöhen werden.

Das ist ein starkes Signal. Denn hier äussern sich nicht private Investoren, Analysten oder Banker, sondern jene Institutionen, die selbst über Währungsreserven entscheiden. Wenn Zentralbanken ihre Landeswährungen zunehmend mit Gold absichern wollen, bleibt das ein klares Argument für die Gold-Bullen.

Silber trifft es noch härter

Beim Silber war der Rückgang im Juni noch deutlicher als beim Gold. Der Preis fiel von 75 US-Dollar auf 58 US-Dollar – ein Minus von 22 Prozent. Damit geriet Silber besonders stark unter Druck.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Gold-Silber-Ratio. Sie zeigt, wie viele Unzen Silber benötigt werden, um eine Unze Gold zu kaufen. Seit dem Silber-Peak Ende Jänner hat Silber im Verhältnis zu Gold wieder an Wert verloren. Häufig wird eine steigende Ratio als Hinweis darauf interpretiert, dass Silber Aufholbedarf haben könnte.

Was im Hintergrund des Silbermarktes passiert, hat philoro TV zuletzt im Gespräch mit Jochen Staiger genauer beleuchtet. Das aktuelle Monatsupdate knüpft an diese Entwicklung an und ordnet die jüngste Bewegung ein.

Die Fed überrascht mit harter Linie

Eine der grössten Überraschungen im Juni war die erste Sitzung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Obwohl er von Donald Trump handverlesen wurde, folgte er nicht dem Wunsch des US-Präsidenten nach Zinssenkungen.

Stattdessen liess Warsh die Zinsen unverändert und machte deutlich, dass die Bekämpfung der Inflation oberste Priorität hat. Für die Märkte bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen ist gestiegen, während die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen gesunken ist.

Für Gold und Silber ist das ein klarer Gegenwind. Edelmetalle werfen keine laufenden Zinsen ab. Wenn der Markt wieder stärker mit höheren Leitzinsen rechnet, geraten sie im Vergleich zu verzinsten Anlagen unter Druck.

Auch die EZB setzt auf Inflationsbekämpfung

Nicht nur die US-Notenbank Fed, auch die Europäische Zentralbank hat im Juni ein deutliches Signal gesetzt. Nach sieben Zinspausen erhöhte sie Anfang Juni den Hauptrefinanzierungszinssatz auf 2,4 Prozent.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte ebenfalls, dass die Inflation bekämpft werden müsse. Den weiteren Kurs liess sie jedoch offen. Damit bleibt die Geldpolitik ein entscheidender Unsicherheitsfaktor für die Märkte.

Für Edelmetalle ist diese Gemengelage schwierig: Einerseits sprechen langfristige fundamentale Argumente weiterhin für Gold und Silber. Andererseits belasten kurzfristig steigende Zinserwartungen und eine restriktivere Notenbankpolitik.

Iran, Öl und die Hoffnung auf Entspannung

Ein zentrales Thema im Juni war der Iran-Krieg beziehungsweise die Hoffnung auf sein mögliches Ende. Das Friedensabkommen lässt zwar noch viele Details offen, innerhalb einer Frist von 60 Tagen sollen weitere Punkte geklärt werden. Allein die Tatsache, dass es ein erstes Abkommen gibt, hat jedoch Hoffnung auf Entspannung geweckt.

Diese Entspannung zeigt sich auch an der Strasse von Hormus. Dort gibt es wieder mehr Durchfahrten, teilweise sogar über Routen, die der Iran ausdrücklich nicht erlaubt hat. Gleichzeitig wurden Ölreserven angezapft und die Internationale Energie-Agentur erwartet für das zweite Quartal einen Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 5 Millionen Barrel pro Tag.

Auch der Ölpreis reagierte deutlich: Brent-Öl fiel von 113 US-Dollar auf 73 US-Dollar je Barrel. Ob sich damit die laut IEA «grösste Versorgungsunterbrechung der globalen Energiemärkte in der Geschichte» tatsächlich auflöst, bleibt jedoch offen.

Die Weltwirtschaft bleibt belastet

Trotz erster Entspannungssignale sind die Folgen des Iran-Konflikts und der Energiepreisschocks für die Weltwirtschaft noch nicht ausgestanden. Viele Prognosen bleiben verhalten. In einem Worst-Case-Szenario der OECD könnten die Auswirkungen bis weit ins Jahr 2027 hinein spürbar bleiben.

Auch die europäischen Wachstumszahlen zeigen ein schwaches Bild. Das Statistikamt der EU meldete für das erste Quartal 2026 ein EU-weites Wachstum von nur 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit bleibt die Lage fragil. Viel hängt weiterhin am Iran, an den Ölpreisen und daran, ob die aktuelle Entspannung von Dauer ist.

Inflationsraten ziehen wieder leicht an

Die jüngsten Inflationszahlen zeigen, wie empfindlich die Lage bleibt. In den USA stieg die Inflation auf 4,2 Prozent, in der gesamten EU auf 3,3 Prozent und im Euro-Raum auf 3,2 Prozent. In Österreich lag die Teuerung bei 3,7 Prozent. Dort trieben unter anderem Flugtickets und Energiepreise die Inflation an. Heizöl war im Mai fast 54 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

In der Schweiz blieb die Inflation mit 0,6 Prozent stabil. Deutschland bildete eine Ausnahme: Dort sank die Teuerungsrate von 2,9 Prozent im April auf 2,6 Prozent im Mai. Vor allem Lebensmittel wurden günstiger, darunter Butter und Kartoffeln. Auch Strom, Erdgas und Fernwärme verbilligten sich. Heizöl hingegen war auch in Deutschland deutlich teurer als im Vorjahr.

Die Daten zeigen: Die Inflation ist nicht verschwunden. Sie hat sich nur verlagert – und bleibt damit ein zentrales Thema für Notenbanken, Märkte und Edelmetalle.

Fazit: Edelmetalle unter Druck, aber die grossen Fragen bleiben

Der Juni war für Gold und Silber ein schwacher Monat. Gold verlor rund elf Prozent, Silber sogar 22 Prozent. Die harte Linie der US-Notenbank Fed, steigende Zinserwartungen und charttechnische Schwäche haben den Edelmetallen spürbar zugesetzt.

Gleichzeitig bleiben wichtige langfristige Argumente bestehen. Zentralbanken setzen weiter auf Gold, die Weltwirtschaft bleibt fragil, Inflationsraten steigen wieder leicht und geopolitische Risiken sind trotz erster Entspannung im Iran nicht vom Tisch.

Der Markt wirkt derzeit angespannt, aber nicht entschieden. Kurzfristig dominieren Zinsen, Inflation und die Frage, ob Gold die Marke von 4'000 US-Dollar nachhaltig verteidigen kann. Langfristig bleiben Zentralbankkäufe, Währungsrisiken und geopolitische Unsicherheit zentrale Faktoren für Gold und Silber.

Sehen Sie jetzt das vollständige UPDATE Juni auf philoro TV und erfahren Sie, warum Gold und Silber unter Druck stehen – und welche Entwicklungen für die kommenden Monate entscheidend werden.