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philoro FAKTENCHECK: Egal, was die Fed macht

Warum Gold trotzdem interessant bleibt.

16. September 2026

Steigen die Zinsen, fällt Gold – so lautet eine der bekanntesten Faustregeln am Markt. Doch was passiert, wenn hohe Zinsen das eigentliche Problem gar nicht lösen? Wenn sie weder Öl billiger machen noch Staatsschulden verschwinden lassen? Genau darum geht es im neuen FAKTENCHECK von philoro TV.

Im Mittelpunkt steht die Frage, warum Gold und Silber auch dann interessant bleiben können, wenn die US-Notenbank Fed die Zinsen anhebt. Denn hinter der aktuellen Zinsdebatte steckt ein viel größeres Thema: hohe Staatsschulden, Kaufkraftverlust und ein Finanzsystem, das immer stärker unter Druck gerät.

Warum alle auf die Fed schauen

Vor jeder Zinsentscheidung richtet sich der Blick der Märkte auf die US-Notenbank Fed. Steigen die Zinsen? Bleiben sie gleich? Oder kommen doch wieder Senkungen?

Zum Zeitpunkt des Drehs rechnet die Mehrheit der Händler an den Terminmärkten mit einer Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt. Laut FedWatch-Tool der Börse CME liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei rund 92 Prozent. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar: Die Inflation liegt weiterhin über dem Zwei-Prozent-Ziel, die Ölpreise sind zuletzt wieder gestiegen und der US-Arbeitsmarkt zeigte sich im August stabil.

Auch die Europäische Zentralbank hat bereits reagiert und am 10. September die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben. Damit wächst der Druck auf die Fed zusätzlich.

Die Fed steckt in einer Zwickmühle

Das eigentliche Problem: Die Fed muss zwei Ziele gleichzeitig verfolgen, die sich zunehmend widersprechen. Auf der einen Seite müsste sie die Ziele erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen. Auf der anderen Seite müsste sie niedrigere Zinsen zulassen, um eine Wirtschaft zu stützen, die stark von billigem Geld abhängig ist.

Genau hier liegt die Zwickmühle. Denn höhere Zinsen treffen nicht nur Unternehmen und Konsumenten, sondern auch den Staat selbst. Die USA haben inzwischen mehr als 40 Billionen US-Dollar Schulden. Jeder weitere Zinsschritt verteuert den Schuldendienst. Schon heute müssen jährlich mehr als eine Billionen US-Dollar allein für Zinsen aufgewendet werden.

Was höhere Zinsen nicht lösen

Der Ökonom Daniel Lacalle kritisiert im Video einen zentralen Denkfehler: Höhere Leitzinsen lösen nicht automatisch die Ursachen der Inflation. Sie senken weder den Ölpreis noch den Gaspreis und sie reduzieren auch nicht das Staatsdefizit. Dafür verteuern sie Kredite für Unternehmen und Haushalte.

Besonders hart trifft das kleine und mittlere Betriebe. Laut Lacalle zahlen diese im Euroraum teilweise sieben bis zwölf Prozent für Finanzierungen, in den USA rund 6,5 bis 8,5 Prozent. Für Unternehmen mit knappen Margen können bereits 25 Basispunkte darüber entscheiden, ob ein Kredit noch leistbar ist oder nicht. Gerade weil ein großer Teil der Arbeitsplätze in Industrieländern in kleinen und mittleren Unternehmen entsteht, können hohe Zinsen erhebliche Folgen für Beschäftigung und Wachstum haben.

Inflation oder Kaufkraftverlust?

Auch beim Thema Inflation stellt Lacalle eine wichtige Frage: Was spüren Menschen im Alltag tatsächlich?

Wenn Öl teurer wird, muss das nicht automatisch bedeuten, dass alle anderen Preise ebenfalls steigen. Bleibt die Geldmenge gleich, müsste für andere Ausgaben weniger Geld übrig bleiben. Dass Preise trotzdem breit steigen und hoch bleiben, liegt auch daran, dass immer neues Geld ins System gelangt.

Was viele Haushalte erleben, ist deshalb weniger eine abstrakte Inflationsrate als ein ganz konkreter Verlust an Kaufkraft. Miete, Lebensmittel und Energie werden teurer, während das Einkommen nicht im selben Tempo steigt. Genau dieser Kaufkraftverlust ist ein zentrales Argument für reale Vermögenswerte wie Gold und Silber.

Nicht nur die USA haben ein Schuldenproblem

Die USA stehen wegen ihrer Schulden häufig im Mittelpunkt. Doch laut Lacalle ist das Problem global. Er verweist unter anderem auf Frankreich, Japan, Großbritannien und den Euroraum. Besonders kritisch sind dabei nicht nur die offiziell ausgewiesenen Staatsschulden, sondern auch langfristige Verpflichtungen wie Pensionen und Gesundheitsausgaben.

Diese ungedeckten Verpflichtungen vergleicht Lacalle mit einem Eisberg: Die sichtbare Staatsverschuldung ist nur die Spitze. Ein großer Teil der tatsächlichen finanziellen Belastung liegt darunter.

Für Frankreich schätzt er die gesamten Verpflichtungen auf 450 bis 500 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, für Deutschland auf rund 350 Prozent.

Flucht in den Dollar – vorerst

Interessanterweise sieht Lacalle deshalb nicht unbedingt eine unmittelbare Abkehr vom US-Dollar. Im Gegenteil: Wenn Anleger aus europäischen oder japanischen Staatsanleihen flüchten, landet ein Teil des Kapitals zunächst wieder im Dollar.

Das liegt auch daran, dass die Renditen in Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Japan zuletzt teilweise stärker gestiegen sind als in den USA.

Doch auch diese Entwicklung löst das Grundproblem nicht. Staatsschuldenkrisen müssen nicht spektakulär platzen. Sie können sich vielmehr langsam in Form von schwachem Wachstum, hartnäckiger Inflation und sinkenden Reallöhnen bemerkbar machen.

Warum höhere Zinsen kein Argument gegen Gold sein müssen

Die klassische Faustregel lautet: Steigen die Zinsen, wird Gold unattraktiver, weil es selbst keine laufenden Zinsen abwirft. Lacalle widerspricht dieser Sichtweise. Eine Zinserhöhung sei nicht automatisch ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke. Sie könne genauso ein Hinweis darauf sein, dass Inflation hartnäckig bleibt und die finanzielle Lage der Staaten schwieriger wird.

Anders gesagt: Der Zinsschritt löst das Problem nicht unbedingt. Er zeigt vielmehr, dass das Problem noch da ist. Eine Staatsanleihe kann zwar fünf Prozent Rendite bringen. Wenn die Inflation gleichzeitig einen großen Teil davon auffrisst und die Schulden des Staates schneller wachsen als seine Wirtschaft, kann die reale Rendite trotzdem enttäuschend ausfallen. Nominal im Plus zu sein bedeutet eben nicht automatisch, real reicher zu werden.

Warum Gold nach Zinsentscheidungen trotzdem fallen kann

Kurzfristig kann Gold nach einer Zinserhöhung natürlich unter Druck geraten. Solche Bewegungen spielen sich jedoch häufig stark an den Papiermärkten ab. Dort wird nicht unbedingt physisches Metall gehandelt, sondern mit Ansprüchen, Futures und anderen Finanzprodukten. Diese Märkte werden laut Video auf ein Vielfaches des physischen Gold- und Silbermarktes geschätzt. Dadurch können Zinsnachrichten kurzfristig starke Kursbewegungen auslösen, auch wenn sich an den langfristigen Fundamentaldaten wenig geändert hat. Deshalb lohnt es sich, zwischen kurzfristiger Marktreaktion und langfristiger Entwicklung zu unterscheiden.

Egal, wie die Fed entscheidet?

Der Marktanalyst Mike Maharrey bringt die Situation auf eine einfache Formel: Erhöht die Fed die Zinsen, dürfte die Wirtschaft diesen Druck nicht lange aushalten. Dann könnten später wieder Zinssenkungen folgen. Erhöht sie nicht, bleiben die bestehenden Zinsen für einen Schuldenberg von mehr als 40 Billionen US-Dollar immer noch hoch.

Aus seiner Sicht führen beide Wege langfristig zum selben Punkt: zu weiterem monetärem Druck und damit zu einem Umfeld, in dem Inflation und Kaufkraftverlust ein Thema bleiben.

Fazit: Die Zinsfrage ist nur ein Teil des Problems

Ob die Fed die Zinsen erhöht oder nicht, wird die Märkte kurzfristig bewegen. Für Gold und Silber ist aber entscheidender, was hinter dieser Entscheidung steckt. Hohe Staatsschulden, steigende Finanzierungskosten, ungedeckte Verpflichtungen und ein anhaltender Kaufkraftverlust verschwinden nicht durch einen einzelnen Zinsschritt. Genau deshalb bleibt Gold für viele Anlegerinnen und Anleger interessant – nicht trotz der Zinsen, sondern gerade wegen der Probleme, die hinter ihnen stehen.