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philoro FAKTENCHECK: Ewiger Bullenmarkt

Ewiger Bullenmarkt? Warum Gold weiter steigen könnte.

9. September 2026

Ein Goldpreis, der über Jahre weiter steigt – klingt das übertrieben? Nicht für John LaForge, Chefstratege für alternative Anlagen bei Ned Davis Research. Im Gespräch mit Kitco News stellt er keine klassische Kursprognose in den Mittelpunkt, sondern eine einfache Bedingung: Gold bleibt aus seiner Sicht so lange im Aufwärtstrend, bis Regierungen ihre Schuldenberge glaubwürdig in den Griff bekommen.

Im neuen FAKTENCHECK von philoro TV geht es um die Frage, warum Gold laut LaForge noch mehrere Jahre steigen könnte, welche Rolle Zentralbanken, Staatsschulden und Währungsabwertung spielen und warum der aktuelle Markt trotz hoher Preise noch nicht nach einer klassischen Übertreibung aussieht.

Kein Kursziel, sondern eine Bedingung

Viele Goldprognosen drehen sich um konkrete Zahlen: 8.000, 10.000 oder sogar 12.000 US-Dollar pro Feinunze. John LaForge geht anders an die Sache heran. Für ihn ist nicht entscheidend, welches Kursziel Gold erreicht, sondern warum der Trend überhaupt besteht.

Seine These: Der Goldpreis bleibt so lange nach oben gerichtet, wie Regierungen ihre Schulden nicht ernsthaft abbauen. Und genau daran zweifelt er. Weil er derzeit keine echten Anzeichen sieht, dass die großen Industriestaaten ihre Defizite und Schuldenberge nachhaltig in den Griff bekommen wollen, rechnet er mit mehreren weiteren Jahren steigender Goldpreise.

Gold ist im vergangenen Jahrzehnt von rund 1.500 auf über 4.000 US-Dollar gestiegen. Trotzdem sieht LaForge den Markt nicht am Ende, sondern eher mitten in einem größeren Rohstoff-Superzyklus.

Warum dieser Goldzyklus anders sein könnte

Ein zentraler Unterschied zu früheren Marktphasen sind die Zentralbanken. Sie kaufen seit Jahren regelmäßig Gold dazu und stellen damit ihre Reservestrategie neu auf. Der Auslöser dafür war für viele Marktbeobachter die russische Invasion der Ukraine im Jahr 2022 und das anschließende Einfrieren russischer Devisenreserven im Westen. Für Zentralbanken war das eine deutliche Warnung: Vermögenswerte, die innerhalb des globalen Kreditsystems liegen, können im Ernstfall politisch blockiert werden.

Gold unterscheidet sich davon grundlegend. Es ist ein sogenanntes Bearer Asset – ein Vermögenswert, der dem gehört, der ihn tatsächlich besitzt. Es gibt kein Gegenparteirisiko, keine Forderung gegenüber einer Bank und kein Versprechen eines Staates. Ein Goldbarren bleibt ein Goldbarren – unabhängig davon, was im Finanzsystem passiert.

Der eigentliche Treiber: Staatsschulden

Der wichtigste Faktor hinter LaForges Einschätzung sind die Staatsschulden. Viele Länder haben Schuldenstände erreicht, aus denen es kaum einfache politische Auswege gibt. Sparen ist unpopulär, höhere Steuern sind schwierig und dauerhaft hohe Zinsen machen den Schuldendienst immer teurer.

Als Ausweg bleibt oft nur die schleichende Entwertung der eigenen Währung. Genau das steckt hinter dem Begriff „Debasement Trade“: Anleger bewegen sich weg von klassischen Dollar-Anlagen und hin zu Gold, Silber und anderen realen Werten.

Besonders im Fokus stehen die USA. Der US-Schuldenberg hat zuletzt die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Für viele Marktteilnehmer ist das ein deutliches Signal, dass das Vertrauen in das bestehende Gold- und Schuldensystem weiter unter Druck geraten könnte.

Japan als Warnbeispiel

Japan gilt für LaForge als Warnsignal für andere hoch verschuldete Industriestaaten. Lange galt das Land als Beispiel dafür, dass eine Notenbank Zinsen trotz hoher Schulden künstlich niedrig haten kann, indem sie gezielt Staatsanleihen kauft.

Doch genau dieser Mechanismus gerät inzwischen an seine Grenzen. Die Zinsen in Japan steigen trotzdem. Das zeigt: Selbst wenn Notenbanken versuchen, den Markt zu kontrollieren, funktioniert dieser Trick nicht unbegrenzt.

Für Gold ist das wichtig, weil es die Grundfrage berührt: Was passiert, wenn Anleger nicht mehr daran glauben, dass Staaten und Notenbanken ihre Schuldenprobleme kontrollieren können?

Noch keine klassische Übertreibung

Obwohl Gold bereits deutlich gestiegen ist und neue Rekordstände erreicht hat, sieht LaForge noch keine typischen Anzeichen für das Ende eines Rohstoff-Superzyklus. Normalerweise zeigen sich am Ende solcher Phasen klare Übertreibungssignale: Preise steigen innerhalb weniger Wochen fast senkrecht nach oben, Euphorie greift um sich und plötzlich kaufen auch Menschen, die vorher nie Interesse an Gold hatten. Genau das ist laut LaForge derzeit nicht zu erkennen.

Die jüngste Korrektur wertet er daher nicht als Ende des Trends, sondern als normale Pause in einem größeren Zyklus. Der Markt habe auf den nächsten Auslöser gewartet – und der „Debasement Trade“ sei durch das Eingreifen des US-Finanzministeriums wieder neu entfacht worden.

Wie viel Gold gehört ins Depot?

Aus seiner Einschätzung leitet LaForge auch eine konkrete Portfolio-Idee ab. Anleger sollten aus seiner Sicht mindestens zehn Prozent ihres Depots in alternative Anlagen investieren.

Sein Vorschlag: rund fünf Prozent in Gold, drei Prozent in einen breiten Rohstoffkorb und zwei Prozent in Bitcoin. Gold bekommt dabei das größte Gewicht, weil es am direktesten von jenen strukturellen Themen profitiert, die den aktuellen Zyklus antreiben: hohe Schulden, unsichere Geldpolitik und sinkendes Vertrauen in Fiatwährungen.

Diese Aufteilung ist keine Garantie und ersetzt keine persönliche Anlageberatung. Sie zeigt aber, wie LaForge Gold innerhalb eines breiteren Vermögenskonzepts einordnet: nicht als kurzfristige Spekulation, sondern als strategischen Baustein.

Wann endet die Gold-Rallye?

Für LaForge endet die Gold-Rallye nicht bei einem bestimmten Kursziel. Entscheidend ist vielmehr, ob Regierungen wieder zu echter Haushaltsdisziplin zurückfinden und das Vertrauen in das kreditbasierte Geldsystem wiederherstellen können.

Solange das nicht passiert, sieht er keinen Grund, warum der langfristige Trend bei Gold brechen sollte. Sein Bild dafür ist eindrücklich: Die Entwicklung sei wie ein Zug, der gerade von Tempo 65 auf 190 beschleunigt hat. Jetzt gehe es darum, rechtzeitig abzubremsen, bevor der Zug aus den Gleisen springt.

Fazit: Gold profitiert vom Vertrauensverlust

Der Gedanke eines „ewigen“ Bullenmarkts klingt zunächst übertrieben. Doch die Argumentation dahinter ist klar: Solange Staatsschulden steigen, Währungen an Kaufkraft verlieren und das Vertrauen in das Finanzsystem bröckelt, bleibt Gold für viele Anleger und Zentralbanken attraktiv.

Die zentrale Botschaft des Videos lautet daher nicht, dass Gold garantiert auf einen bestimmten Preis steigen muss. Entscheidend ist die Frage, ob die Ursachen der Rallye verschwinden. Und solange Schulden, Währungsabwertung und politische Unsicherheit bestehen bleiben, spricht laut LaForge vieles dafür, dass Gold weiter Rückenwind hat.