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Die Goldene Stunde: Das Goldjahr 2026 – aus Sicht von philoro

Analyse von Tobias Kascha, Deutschland-Geschäftsführer philoro EDELMETALLE

7. Januar 2026

Wohin tendiert der Goldpreis und wie stelle ich mich als Anleger darauf ein?

Einen Schritt zurück, auf der Stelle tretend oder nach vorne – wohin der Goldpreis tendiert, kann niemand mit Sicherheit wissen. Jedoch gibt es einige deutliche Zeichen, wohin die Reise gehen wird. Auf diese Zeichen sollte man achten – besonders als Anleger und Freund des Goldes. Wir schauen hier genauer auf diese Indizien.

Im aktuellen Umfeld und in den kommenden Jahren muss sich jeder Anleger die Frage stellen: Sind mein Portfolio und meine Strategie für eine Welt im Wandel wirklich gut aufgestellt?  Nicht nur 2025, sondern bereits in den Jahren davor wurde deutlich, dass man Vertrauen in etablierte Währungen, in Liquidität und in Stabilität nicht mehr als selbstverständlich voraussetzen kann. Zum Jahresauftakt lohnt sich daher ein Blick auf einige wesentliche Einflussfaktoren für den Goldpreis.

Geopolitik

Gold steht am 6. Januar 2026, bei rund 4.450 US-Dollar. Gleichzeitig lief kürzlich die Nachricht über die Ticker, dass die USA militärisch in Venezuela eingegriffen und dessen Machthaber Nicolás Maduro festgenommen haben.

Das ist ein Paukenschlag zum Jahresauftakt und mehr als ein regionales Ereignis. Es zeigt, dass die im Dezember 2025 kommunizierten außenpolitischen Leitlinien der USA keine reinen Absichtserklärungen waren. Die USA unter Donald Trump lassen Taten folgen. Kapitalanleger sind mit dieser Realität konfrontiert. Diese Realität heißt 2026 vor allem: Unsicherheit!

Venezuela ist dabei nur der jüngste Eintrag auf der globalen Karte der Krisenherde. Entscheider in Moskau, Peking, Teheran und Brüssel werden sehr genau hingeschaut haben, was in Caracas geschieht und welche Signale davon ausgehen.

Weitere Krisenherde rund um den Globus bergen zusätzliches Eskalationspotenzial: Taiwan, die Ukraine, der Nahe Osten. Auch in Dänemark dürfte man die Entwicklungen in Venezuela mit einem unguten Gefühl verfolgen. Denn die jüngsten Ereignisse nähren den Eindruck, dass die USA die westliche Hemisphäre klar für sich beanspruchen. Dazu gehört strategisch auch Grönland.

Die angespannte geopolitische Lage wird den Goldpreis 2026 somit immer wieder beeinflussen. Spannungen sprechen für Gold als Absicherung und treiben Anleger zu sogenannten Risk-off-Bewegungen. Dabei werden Risiken reduziert und stabile Bausteine gesucht. Gold erfüllt in solchen Phasen seit jeher eine Funktion, die viele Anlagen nur versprechen: Ein Zufluchtsort, wenn Planbarkeit abnimmt.

(Venezuela liegt bei den Goldbeständen in Lateinamerika gemeinsam mit Brasilien in der Spitzengruppe – jeweils rund 161 Tonnen.)

ETFs

Gold-ETFs spielen eine wichtige Rolle im Goldmarkt. Besonders wenn Anleger schnell und liquide eine Goldposition aufbauen wollen und die Struktur- bzw. Emittentenrisiken eines ETF-Setups in Kauf nehmen. Die ETF-Bestände geben Hinweise auf die Stimmung institutioneller Investoren.  Sie können preistreibend wirken, auch wenn sie nicht die gesamte physische Nachfrage dominieren.

Laut einer Goldman-Sachs-Analyse aus dem Dezember 2025 machen Gold-ETFs in den USA nur rund ~0,17 Prozent der privaten Finanzportfolios aus (Stand: Q2/2025). Unter großen US-Institutionen (>100 Mio. US-Dollar Assets under Management) hält weniger als die Hälfte überhaupt Gold-ETFs. Wer doch hält, liegt oft bei 0,1 bis 0,5 Prozent Allokation. Das heißt: Gold ist in diesem Segment deutlich unterrepräsentiert.

Goldman geht noch weiter und beschreibt, dass ein Basispunkt (also + 0,01 Prozent-punkte) mehr Gold-Anteil in US-Finanzportfolios – modellhaft – einen Aufschlag von etwa +1,4 Prozent auf den Goldpreis bedeuten könnte.

Vereinfacht gesagt: Würden große Anleger ihren Goldanteil in den Portfolios nur leicht erhöhen – von heute rund 0,17 auf 0,25 Prozent –, könnte das rein rechnerisch bereits einen Preiseffekt von etwas über 10 Prozent auslösen. Steigt der Goldanteil auf 0,5 Prozent, läge dieser Effekt modellhaft sogar bei rund 45 Prozent.

Das ist keine Preisprognose, sondern verdeutlicht, wie empfindlich der Goldmarkt auf vergleichsweise kleine Umschichtungen reagieren kann.

Ein weiterer, unterschätzter Punkt: 2025 hat Gold enorme mediale Aufmerksamkeit erhalten! Wenn Vermögenswerte starke Renditen liefern, interessieren sich breiter werdende Zielgruppen für diese Position. Genau das ist mit Gold 2025 passiert.

Zentralbanken

Das World Gold Council ermittelt in einer jährlichen Umfrage weltweit bei den Zentralbanken – unter anderem, ob sie planen, ihre Goldreserven aufzustocken bzw. zu verändern. In der letzten Ausgabe sagten 95 Prozent der befragten Banken, dass sie davon ausgehen, dass die globalen Zentralbanken-Goldreserven in den nächsten 12 Monaten zunehmen werden: Das ist Rekordwert im Vergleich zu früheren Jahren!

Vieles spricht dafür, dass Zentralbanken diese Position weiter aufstocken. Neben dem Trend der De-Dollarisierung haben viele Notenbanken, besonders aus Schwellen- und Entwicklungsländern, noch nicht den Goldanteil bei ihren Reserven erreicht, wie ihn westliche Notenbanken traditionell halten. Das erklärt beispielsweise auch die stetigen Zukäufe der polnischen Nationalbank.

Damit sehen wir im Zentralbankbereich eine strukturelle Nachfrage:

Wenn viele Zentralbanken gleichzeitig Käufer sind, entsteht eine dauerhafte Grundnachfrage. Diese ist unabhängig von kurzfristiger Spekulation. Zudem sind Notenbanken eher preisunelastische Käufer. Das heißt, sie handeln strategisch und nicht wegen kurzfristiger Preisbewegungen. Das reduziert Abwärtsrisiken beim Goldpreis.

Das Ganze hat Signalwirkung: Wenn Zentralbanken Gold als strategischen Reservewert behandeln, wird die Anlageklasse auch für institutionelle Anleger und Vermögensverwalter erneut „legitimiert“. Auch Privatanleger sollten das berücksichtigen.

Zentralbanknachfrage macht einen deutlichen Preiseinbruch 2026 unwahrscheinlicher. Sie erhöht die Chancen auf ein stabiles bis moderat steigendes Goldpreisumfeld.

Leitzinsen & Staatsverschuldung

Die globale Verschuldung ist kein neues Thema, jedoch sie hat eine neue Qualität erreicht. Besonders deutlich zeigt sich das bei den USA: Die US-Staatsverschuldung liegt inzwischen bei über 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Schuldendienst wird zu einem immer größeren politischen und fiskalischen Thema. Entsprechend groß ist der Druck auf Geldpolitik und Zinsniveau. Entsprechend laut sind die Angriffe auf die Fed, die in der öffentlichen Debatte spürbar zugenommen haben. Donald Trump lässt hier keine Möglichkeit aus, den US-Notenbankpräsident Jerome Powell anzugreifen. Die Neubesetzung des Chefpostens der amerikanischen Notenbank im Mai 2026 wird sicher auch Impulse für den Goldpreis geben.

Der Grund für Trumps Angriffe auf Powell ist offensichtlich: Jede Phase höherer Zinsen erhöht unmittelbar den fiskalischen Druck. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Zahl, sondern die Konsequenz. Denn hohe Schulden begrenzen langfristig den geldpolitischen Handlungsspielraum. Ein Staat, der stark verschuldet ist, kann dauerhaft hohe Realzinsen nur schwer tolerieren, ohne wirtschaftliche oder politische Verwerfungen zu riskieren. Wie die tatsächliche politische Stimmung ist, werden die Zwischenwahlen, also die Midterm-Elections, im November 2026 zeigen.

Hinsichtlich der Leitzinsen, besonders in den USA ist für 2026 ein Szenario plausibel, in dem wir eher ein Umfeld sehen mit

  • nominell sinkenden oder zumindest stabilisierten Leitzinsen

  • gleichzeitig strukturell erhöhten Haushaltsdefiziten

  • und politischem Druck, Finanzierungskosten tragbar zu halten.

Selbst wenn die Inflation moderat bleibt (was nicht als selbstverständlich angesehen werden sollte), bedeutet das: Realzinsen tendieren eher seit- bis abwärts!

Historisch ist genau dieses Umfeld goldfreundlich. Gold muss keine Zinsen zahlen, um attraktiv zu sein, wenn reale Alternativen begrenzt sind.

Was bedeutet das alles für den Privatanleger?

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Gold wird heute nicht nur von einem einzelnen Faktor getragen; es ist eine Kombination struktureller Kräfte!

Die oben gezeigte niedrige Goldgewichtung in Portfolios ist historisch erklärbar durch:

  • Langfristig niedrige Inflationsraten

  • tiefe Zinsen und

  • ein hohes Vertrauen in Staatsanleihen.

Die aktuell hohe Staatsverschuldung und der begrenzte Zinsspielraum verändern dieses Umfeld. Zentralbank-Käufe werden die Nachfrage auch 2026 stützen.

Dennoch wird der Goldpreis keine Einbahnstraße nach oben sein. Mit Rücksetzern ist immer wieder zu rechnen.

Unsere Prognose und Hausmeinung von philoro:

Der Goldpreis wird 2026 nicht sprunghaft ansteigen! Es wird eher subtil, jedoch stetig verlaufen mit ansteigender Tendenz. Denn eine breitere Anlegerschicht betrachtet Gold zunehmend nicht als Renditeersatz, sondern als Portfolio-Stabilisator. Darum werden wir sehr wahrscheinlich schneller die 5.000 USD/Unze sehen als die 3.500 USD/Unze.

Quellen:

World Gold Council: https://www.gold.org/goldhub/research/central-bank-gold-reserves-survey-2025)

State Street Bank: https://www.thestreet.com/dictionary/diversification#how-to-diversify-a-portfolio

Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/usa-sicherheitsstrategie-europa-eu-nato-russland-100.html

Blackrock: https://www.ishares.com/us/insights/fed-outlook-2026-interest-rate-forecast?utm_source

Goldman Sachs: https://markets.businessinsider.com/news/commodities/gold-price-today-us-ownership-upside-goldman-sachs-outlook-forecast-2025-12?utm_source

Medienkontakt: Christian Giesen, Pressesprecher philoro EDELMETALLE, Frankfurt/M.

Tel.: 0152/313 984 58                                  Mail: christian.giesen@philoro.com

Der Autor

Tobias Kascha, Geschäftsführer philoro EDELMETALLE in Deutschland

Tobias Kascha hat bis heute über ein Jahrzehnt Erfahrungen in der Edelmetallbranche gesammelt. Dabei übte er unterschiedlichste Fach- und Führungsrollen aus. Nach einer Banklehre und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre übernahm er verantwortungsvolle Positionen im Bankwesen und bei führenden Edelmetallhändlern im deutschsprachigen Raum. Seit August 2023 ist Tobias Kascha in der Geschäftsführung von philoro EDELMETALLE in Deutschland am Stammsitz in Leipzig tätig.

Tobias Kascha, Geschäftsführer von philoro Deutschland, steht in einem eleganten Anzug mit Krawatte vor einem Hintergrund mit dem philoro-Logo. Er ist Autor der Kolumne 'Die goldene Stunde'.